Wildtiere raus aus dem Zirkus

Es gibt immer noch ca. 40-50 Zirkusse mit Wildtieren in Deutschland, darunter Elefanten, Großkatzen oder Giraffen. Ein fahrender Zirkus kann auf die anspruchsvollen Bedürfnisse von Wildtieren keine Rücksicht nehmen. Für die Tierhaltung in deutschen Zirkussen existieren nur unverbindliche Leitlinien, die weit unterhalb der Mindestanforderungen an Zoos liegen.

Zu wenig Platz

Wildtiere wie Elefanten oder Löwen im Zirkus haben die gleichen Bedürfnisse wie ihre Artgenossen in freier Wildbahn. Sie haben aber keinen Platz zum Jagen, Klettern, Graben oder ausgiebig Baden. Sie müssen in viel zu kleinen Käfigen oder winzigen Gehegen leben.

Mangelnde Versorgung

Zirkussen fehlt es oft an Geld und Fachwissen für die Betreuung von Wildtieren. Viele Zirkustiere befinden sich daher in schlechter gesundheitlicher Verfassung, werden falsch ernährt und bei Krankheiten unzureichend betreut. Die unnatürlichen Kunststücke können durch die Überbelastung einzelner Körperteile zu Schädigungen oder Verletzungen führen.

Ständig auf Reisen

Bis zu 40 Mal pro Saison wechseln Zirkusse ihren Standort. Durch den damit verbundenen ständigen Auf- und Abbau der Gehege verbringen die Tiere viel zu viel Zeit in engen Transportwagen oder in Boxen. Das Be- und Entladen bedeutet zusätzlichen Stress für die Tiere.

Warum ein Verbot von Wildtieren im Zirkus längst überfällig ist

Ausgewiesene Experten für bestimmte Tierarten und der Europäische Tierärzteverband unterstützen ein Wildtierverbot für Zirkusse. Auch führende Zooverbände bewerten die Haltung von Wildtieren in Zirkussen kritisch. Zahlreiche gefährliche Vorfälle mit Zirkus-Wildtieren belegen, dass ihre Mitführung auch ein Sicherheitsrisiko darstellt. Ein Verbot bestimmter Wildtierarten hat der Bundesrat zuletzt im März 2016 zum dritten Mal gefordert. Inzwischen haben 22 EU-Staaten die Haltung von Wildtieren in fahrenden Zirkussen bereits untersagt oder zumindest eingeschränkt. Auch weltweit gibt es immer mehr Länder mit Wildtier-Verboten in Zirkussen. Deutschland ist hier inzwischen zu einem tierschutzpolitischen Negativbeispiel geworden.

Die AgrarministerInnenkonferenz hat 2019 erneut zum Handeln aufgefordert und Bundesministerin Klöckner hat versprochen, sich des Problems anzunehmen. Bisher ist nichts passiert.
 

VIER PFOTEN fordert Julia Klöckner auf, endlich ein Verbot von Wildtieren im Zirkus zu erlassen!
 

VIER PFOTEN fordert konkret:

• ein Verbot der Haltung von Wildtieren in Zirkussen mit angemessener Übergangsfrist.

• die unmittelbare Beschlagnahmung und adäquate Unterbringung von Zirkustieren aus besonders schlechter Haltung sowie ein sofortiges Nachzucht- und Nachstellungsverbot.

• die Einführung einer Positivliste für domestizierte Tierarten, die in Zirkusbetrieben gehalten werden dürfen. Strenge Vorgaben müssen ihre artgemäße Haltung sicherstellen. Zirkusse, die diese Anforderungen nicht einhalten können, sollen völlig auf Tiere verzichten.

UPDATE 30.11.2020:
Am 19.11.2020 hat Ministerin Klöckner ihren Entwurf der „Tierschutz-Zirkusverordnung (TierSchZirkV)“vorgelegt, in dem sie das Zurschaustellen bestimmter Wildtierarten in reisenden Zirkussen verbieten will. Das gilt allerdings nur für Giraffen, Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Primaten und Großbären. Viele andere Tierarten wie Löwen und Tiger sollen weiter unter den Haltungsbedingungen und der fragwürdigen Dressur im Zirkus leiden dürfen. Zudem gibt es keine Abgabefrist für bereits vorhandene Tiere. Der Entwurf greift daher aus Tierschutzsicht viel zu kurz.
VIER PFOTEN fordert die Erweiterung der Verordnung um:

  • Ein vollumfängliches Wildtierverbot im Zirkus
  • Angemessene Abgabefristen für bereits vorhandene Tiere

Die Wildtiere brauchen Ihre Stimme! Fordern Sie gemeinsam mit uns Bundesministerin Julia Klöckner zum Handeln auf!