Lass endlich die Sau raus!

Bis zu 70 Tage bewegungsunfähig, im Einzelkäfig fixiert: Abferkeln, Säugen, erneutes Decken, frühe Trächtigkeitsphase, endlich 70 Tage frei…Dann alles wieder von vorn. Fast 2,5 Monate auf einem Fleck, mit keinerlei Bewegungsfreiheit - eine unvorstellbare Prozedur!

Sauen, die in industriellen Schweinezuchtbetrieben für die Ferkelproduktion gehalten werden, verbringen ungefähr die Hälfte ihres ohnehin nicht langen Lebens in körpergroßen Metallkäfigen, die von der Industrie als „Kastenstand“ bezeichnet werden. Dieser Kastenstand ist so klein, dass die Tiere sich nicht einmal umdrehen können. 

VIER PFOTEN fordert ein Verbot der Kastenstandhaltung von Sauen und die finanzielle Förderung tiergerechter Sauenhaltung

Hilf uns, der grauenvollen Praxis der Kastenstandhaltung endlich ein Ende zu setzen!

Wende Dich mit diesem Brief an Deine/n Agrarminister/in und fordere sie/ihn auf, sich für ein Verbot der Kastenstandhaltung einzusetzen.
 

Sehr geehrte Frau Ministerin / sehr geehrter Herr Minister,

etwa 98 Prozent der 1,9 Mio. Zuchtsauen in Deutschland werden über die Hälfte ihres Lebens, einzeln fixiert, in Kastenständen gehalten. Für die Tiere ist diese Haltung mit extremem Leid verbunden: In den engen Metallkäfigen ist es den Tieren nicht einmal möglich sich umzudrehen. Völlig isoliert von der Gruppe hat die Zuchtsau keinen Kontakt zu Artgenossen und kann weder herumlaufen, noch ein Ferkelnest bauen oder ihren Kot- vom Liegebereich trennen, was ihren sonstigen natürlichen Verhaltensweisen entsprechen würde.

Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits 2016 per Urteil bestätigt, dass der Kastenstand im sogenannten  Deckbereich, also der Ort, wo das Tier besamt wird, tierschutzwidrig ist, da er der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung widerspricht.

Auch im sogenannten Abferkelbereich, der Ort, wo die Zuchtsau ihre Ferkel gebärt, hat der Kastenstand keine Daseinsberechtigung. Die Industrie rechtfertigt hier die Kastenstandhaltung damit, dass die Sau beim Hinlegen die Ferkel erdrücken könne. Dieses Argument ist längst widerlegt. Nachgewiesenermaßen kann das Risiko von befürchteten Ferkelverlusten durch einen gut gestalteten, freien Abferkelbereich mit entsprechendem Platz minimiert werden.

Um das Leid der Zuchtsauen in Deutschland zu beenden, sind andere Haltungssysteme notwendig. Wichtiges Kriterium hierbei ist unter anderem, dass die Tiere sich in jeder Phase ihres Lebens ungehindert und ohne Verletzungen umdrehen und bewegen können. Dass solche Haltungssysteme in der Praxis möglich sind, zeigen zahlreiche Beispiele, wie die Bio-Haltung oder Markenfleischprogramme wie Neuland und andere alternative Label-Programme, bei denen Haltungssysteme für Sauen ohne Dauerfixierung seit Jahrzehnten betrieben werden.

 

Die Amtschefs der Bundesländer haben im Januar 2017 beschlossen, bis zur nächsten Agrarministerkonferenz einen konkreten Vorschlag  für eine tiergerechtere und wirtschaftlich tragfähige  Lösung sowie eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zu erarbeiten.

 

Ich fordere Sie dazu auf, sich bei der nächsten Agrarministerkonferenz für ein Verbot der Kastenstandhaltung und die finanzielle Förderung tiergerechter Haltungssysteme einzusetzen.

 

Ich bedanke mich,  auch im Namen der Millionen Zuchtsauen, die ein besseres Leben verdienen.

 

Mit freundlichen Grüßen,