Das soll „Mehr Tierwohl“ sein?

Im April 2017 hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt das sogenannte  staatliche Tierwohllabel „Mehr Tierwohl“ vorgestellt. Mit diesem Label sollen ab 2018 Fleischerzeugnisse gekennzeichnet werden, für die Tiere angeblich unter besseren Bedingungen gelebt haben als in der sonst üblichen  Haltung. Geplant ist ein Start der Kennzeichnung für Schweinefleisch. Konsumenten sollen damit die Möglichkeit haben, sich mit dem Kauf eines so gekennzeichneten Produktes, bewusst für mehr Tierwohl zu entscheiden. Dies wird mit einem Aufpreis von circa 20 Prozent für das Produkt verbunden sein.

Das „Mehr Tierwohl“-Label soll zwei Stufen haben, eine Einstiegsstufe und eine Premiumstufe. Tierschutzorganisationen haben gefordert, dass bereits in der Einstiegsstufe Tierwohlkriterien gelten müssen, die deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen. Denn insbesondere die Einstiegsstufe wird auf dem Markt Verbreitung finden und deshalb die meisten Tiere betreffen.

Bundesminister Schmidt hat im April 2017 ebenfalls einen dazugehörigen Kriterienkatalog veröffentlicht, der die konkreten Haltungsbedingungen für die Einstiegsstufe der Kennzeichnung mit dem Label vorsieht. Diese Kriterien liegen teilweise sogar unter den gesetzlichen Vorgaben und stellen insgesamt keine wesentlichen Verbesserungen für die Tiere dar. So soll es in der Einstiegsstufe weiterhin erlaubt sein, Schweinen routinemäßig den Ringelschwanz zu kürzen, was bereits seit 1994 durch eine geltende EU-Richtlinie per Gesetz verboten ist. Die Tiere werden weiterhin auf Betonboden ohne Einstreu gehalten, was u.a. schmerzliche Entzündungen der Klauen und Gelenke verursacht und Sauen werden weiterhin wochenlang im Kastenstand vollfixiert, während sie ihre Ferkel gebären und säugen müssen. Diese Tierqual soll nicht nur hingenommen, sondern nun auch mit einem Label für „Mehr Tierwohl“ ausgezeichnet werden. 

Ein Skandal für Millionen Tiere und ein Betrug am Verbraucher! Das Label in seiner jetzigen Form muss gestoppt werden. Helfen Sie mit!

Sehr geehrter Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt,

Ich bin um das Wohlergehen der Nutztiere in Deutschland besorgt und möchte, dass Tiere, die für die Fleischproduktion gehalten werden unter deutlich besseren Haltungsbedingungen leben als bisher. Ich bin bereit, für ein solches Produkt mehr Geld auszugeben. Allerdings möchte ich als Verbraucher auch die Gewissheit haben, dass dieses Geld den Tieren und der Verbesserung ihrer Haltungsbedingungen zu Gute kommt.

Nach der Veröffentlichung Ihrer Kriterien zu dem staatlichen Label „Mehr Tierwohl“ steht nun fest, dass hiermit keine spürbaren Verbesserungen für die Tiere erreicht werden, da die Kriterien für die Einstiegsstufe nicht wesentlich über dem gesetzlichen Standard, sondern teilweise sogar darunter liegen.

Ich werde ein Produkt mit einem solchen Label  erst dann in meiner Kaufentscheidung berücksichtigen, wenn die Tierwohlkriterien bereits in der Einstiegsstufe wesentliche Verbesserungen für die Tiere mit sich bringen. Dies bedeutet in der Schweinehaltung:

  • Intakter Ringelschwanz: absolutes Verbot des Kürzens des Ringelschwanzes, ohne Ausnahmen und Übergangsfristen
  • Eingestreuter Liegebereich (mit Mindestmengenangabe der Einstreumenge): keine Haltung auf Vollspaltenboden ,vorgeschriebene Mindestmengenangaben zu ständig verfügbarem Raufutter und Beschäftigungsmaterial
  • Bewegungsfreiheit für die Sau: keine wochenlange Dauerfixierung im Kastenstand, sowohl im Deck- als auch im Abferkelbereich
  • Ausreichend und ständig verfügbares Nestbaumaterial für Sauen vor und während des Abferkelns
  • Möglichkeit zur klaren Trennung des Futter- und Kotbereichs: 50% mehr Platz

Ich fordere Sie auf, die Einstiegskriterien des Labels für „Mehr Tierwohl“ entsprechend anzuheben.

Denn wenn Produkte mit „Mehr Tierwohl“ ausgezeichnet sind,  muss auch „Mehr Tierwohl“ dahinter stecken.

Vielen Dank.

Ein besorgter Verbraucher