Das Leiden der Schweine in Österreich

Das Leiden der Schweine in Österreich

VIER PFOTEN bedankt sich zum gemeinsam bewirkten Etappensieg des beschlossenen Ablaufdatums für Vollspaltenböden bei Mastschweinen. Dies ist ein riesiger Erfolg nicht nur für die Tiere, sondern auch für den österreichischen Tierschutz, der seit Jahren vehement gegen diese Tierquälerei kämpft.

Trotzdem müssen heute noch 69 % der in Österreich gehaltenen Schweine auf sogenannten Vollspaltenböden und ohne Stroheinstreu leben. Noch immer werden jährlich 2,7 Millionen Ferkel ohne Betäubung kastriert.

Um die Fleischproduktion effizienter zu machen, leiden jährlich Millionen Schweine unter nicht artgemäßen Haltungsbedingungen und an schmerzhaften Eingriffen. 97 % der Schweine in Österreich leben unter Bedingungen des gesetzlichen Mindeststandards.

Dabei sind die größten Probleme:

  • Viel zu lange Übergangsfrist des Vollspaltenverbots für Schweine: Erst ab 2040 soll es zum endgültigen Aus dieser quälerischen Haltungsform kommen. Was noch fehlt ist ein konkreter Ausstiegsplan, der zeitnahe Umbaumaßnahmen und finanzielle Unterstützung für die heimischen Landwirte festlegt.
  • Ferkelkastration ohne Betäubung: Nur ein Bruchteil der nicht-kastrierten, männlichen Ferkel entwickeln den so genannten "Ebergeruch" - einen unangenehmen Geruch, der bei der Erhitzung von Schweinefleisch auftritt. Um diesem minimalen Risiko vorzubeugen, werden so gut wie alle männlichen Ferkel ohne Betäubung und unter enormen Schmerzen kastriert. Neu ist mit der Novelle, dass eine Inhalationsnarkose – lediglich auf freiwilliger Basis - erlaubt wäre.
  • Schwanzkupieren: Obwohl gesetzlich nur ausnahmsweise erlaubt, werden bei den Tieren die Schwänze routinemäßig abgeschnitten, um die Verhaltensstörung des Schwanzbeißens zu verhindern, die durch die viel zu engen und reizarmen Haltungssysteme auftritt.
  • Zähne abschleifen: Das Abschleifen der Zähne der Ferkel soll Verletzungen an den Gesichtern der Geschwister und den Zitzen der Sau verhindern, vor allem wenn es zu größeren Würfen kommt.
  • Kastenstand: Die Haltung der Zuchtsauen im Kastenstand kommt der Käfighaltung in ihrer schlimmsten Form gleich, da die Tiere zu völliger Bewegungslosigkeit gezwungen sind. Die Tiere können sich nicht umdrehen, liegen über ihrem eigenen Kot und können sich nicht um ihre Ferkel kümmern. Sie leiden häufig unter Verhaltensstörungen, wie Stangenbeißen, aber auch an Gesäuge- und Gebärmutterentzündungen.
  • CO2-Betäubung: Bei der Schlachtung von Schweinen wird hauptsächlich CO2 für die Betäubung eingesetzt. Vor dem Einsetzen der Bewusstlosigkeit führt diese durch die Reizung der Schleimhäute zu Schmerzen, zu Atemnot und Erstickungsangst.
  • Kein Auslauf ins Freie: Schweine in der Intensivtierhaltung haben keinen Zugang zu einem Außenbereich mit Frischluft und Tageslicht, geschweige denn einer Grünfläche.
  • Zu wenig Platz: Einem Mastschwein mit 110 kg stehen lediglich 0,7 m2 zur Verfügung. Mit der Novellierung der 1. Tierhaltungsverordnung soll den Tieren minimal mehr Platz angeboten werden – bei einem Schwein bis 110 kg lediglich 0,80 m2/Tier.
  • Kaum Beschäftigungsmaterial: Schweine sind intelligente und verspielte Tiere und brauchen ausreichend organisches Beschäftigungsmaterial, um ihre arteigenen Bedürfnisse ausleben zu können und um Verhaltensstörungen vorzubeugen. Dabei sind Holz und Hanfseile alleine nicht als geeignetes Beschäftigungsmaterial zu bewerten. Diese können nur zusätzlich zu adäquatem Beschäftigungsmaterial, wie Stroh und Heu, angeboten werden.
  • Genmanipuliertes Futter: Die meisten Schweine werden mit genmanipuliertem Soja aus Übersee gefüttert, für dessen Anbau Regenwälder gerodet werden.

Bisher berücksichtigt die intensive Schweinehaltung kaum eine der natürlichen Verhaltensweisen der Tiere – im Gegenteil: Ihre natürlichen Bedürfnisse werden verhindert. Zuchtsauen zum Beispiel werden von der Gruppe isoliert und können sich nicht genügend bewegen. Wichtige Grundbedürfnisse wie Körperpflege, Sozial-, Erkundungs-, Nahrungssuch- und Nestbauverhalten können sie nicht ausleben. Die Folgen sind schwere physische und psychische Schäden.

Die Haltung von Schweinen in Österreich muss sich grundlegend ändern – die Weichenstellung hin zu mehr Tierwohl und der erste Schritt in die richtige Richtung mit dem Verbot der Vollspaltenböden wurde gemacht – nun gilt es, die vielen anderen Missstände anzugehen! Schweine haben das Recht auf eine artgemäße Haltung und Behandlung.

Daher fordert VIER PFOTEN:

  • Einen konkreten Ausstiegsplan aus den Vollspaltenböden, der zeitnahe Umbaumaßnahmen und finanzielle Unterstützung für die heimischen Landwirte festlegt
  • Die rasche Erarbeitung eines neuen Mindeststandards, mit klarem Fokus auf Verbesserung des Tierwohls und mit verpflichtender Stroheinstreu
  • Verbot von betäubungsloser Ferkelkastration* und Förderung von Alternativen, wie zum Beispiel Ebermast oder Immunokastration (*neu ist mit der Novelle, dass eine Inhalationsnarkose – lediglich auf freiwilliger Basis - erlaubt wäre)
  • Verbot des Schwanzkupierens
  • Verbot des Zähne Abschleifens bei Ferkeln
  • Frühzeitiger Ausstieg aus dem System Kastenstand in der Schweinezucht
  • Verbot der Zuchtsauenhaltung auf Vollspaltenböden
  • Verpflichtende freie Abferkelsysteme mit natürlichen Nestbaumaterialien
  • Verbot der CO2-Betäubung bei der Schlachtung
  • Verpflichtender Außenklimabereich oder Zugang zu einem Grünauslauf
  • Mindestens 1,3 m² Platz pro Tier plus 1 m² Auslauf
  • Ausreichend organisches Beschäftigungsmaterial
  • Gentechnikfreies Futter

Unterschreiben Sie jetzt und helfen Sie, das Leiden der Schweine in Österreich zu beenden!

  • AT Marina R 08.08.2022 08:06
  • AT Norbert G 07.08.2022 22:40
  • AT Simone F 07.08.2022 06:55
  • AT Kimberly D 06.08.2022 19:05
  • AT Doris S 06.08.2022 15:14
  • AT Maria F 06.08.2022 12:12